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  Lurche und Libellen - Ein Rückblick auf 30 Jahre Poesie-Malerei in der Glashütte Eisch
 

Lurche und Libellen

Ein Rückblick auf 30 Jahre Poesie-Malerei in der Glashütte Eisch



Ausstellungseröffnung: Freitag, den 13.03.2009 um 18 Uhr
Dauer der Ausstellung: 14.03.09 – 29.05.09
Ort der Ausstellung: Galerie am Museum, Frauenau
Öffnungszeiten: Montag – Freitag 11-17.30 Uhr, Samstag 11-16 Uhr


Zitat von Ines Kohl:  Lurch und Libellen - 30 Jahre Poesie auf Glas

"Mit der Serie „Poesie in Glas“ wurde in der Glashütte Eisch Geschichte geschrieben. Seit dreißig Jahren haben etwa fünfzig MalerInnen ihre Kreativität eingebracht und den unverkennbaren Eisch-Stil weiter entwickelt, der von Erwin Eisch in den 60erJahren begründet worden ist. Die Glasmaler waren, wie die Glasmacher, eine Gemeinschaft, gemeinsam haben sie „Poesie in Glas“ gestaltet, wobei die „Poesie-Maler“ die Poesie aufs Glas gebracht haben.

Die „Poesie-Malerei“, wie die Werkstatt genannt wird, gibt es seit 1979. Damals war es die Malerin Maria Wurzer, die mit Erwin Eischs Unterstützung begann, eine neue Unikat-Linie zu entwickeln, orientiert an floralen Motiven des Jugendstils, an romantischer Naturdarstellung und an den Arbeiten von Gretel Eisch, die als erste Glasmalerin in den sechziger und frühen siebziger Jahren Gefäße und Glasplastiken von Erwin Eisch in „naive“, witzige Figuren, in Tierszenen und märchenhaft-mythologische Geschichten verwandelte und die Urform des Lurchs entwickelt hat.

Gretel und Erwin Eisch waren die Eltern von „Poesie in Glas“. Vor allem, wenn es darum ging, den MalerInnen von „Poesie auf Glas“ mit besonderen Rohglasformen Anregungen zu geben, war Erwin Eisch Ideen- und Formgeber.

1962 - Gretel Eisch

1962 - Gretel Eisch

1966 - Gretel Eisch

1972 - Gretel Eisch


Wichtig war die Wiederbelebung der Lüstermalerei, die in den Bayerwald-Glashütten nahezu in Vergessenheit geraten war. In der Kombination von Lüster und Email für Blüten und Blumen lassen sich die zart schillernden Farbtöne erzielen, die für die bemalten Eisch-Gläser typisch sind. Zufälligkeiten lassen sich gut nutzen, das kam der individuellen Freiheit des einzelnen Malers entgegen. Damals entstanden auch, kreiert von Eva Eisch, die beliebten Gläser mit Libellen und Lurchen. Sehr bald kamen weitere Malerinnen hinzu, die die Möglichkeit erhielten, frei auf die Gläser zu malen und mit Farben und Techniken zu spielen. Eine Malerei dieser Art war damals praktisch konkurrenzlos. Kreative Produktionsweise und schöpferisches Arbeitsklima kennzeichneten diese Phase, in der aus der Gemeinschaft neue Ideen erwuchsen. Die „Poesie-Malerei“ ist deswegen sowohl auf das Engagement der einzelnen Maler angewiesen wie auch auf deren Bereitschaft zum Austausch in der Gruppe.

Das forderte das Organisationstalent und Einfühlungsvermögen von Annemarie Kainz und Gretel Eisch. Gretel Eisch war seit 1987 Abteilungsleiterin für die „Poesie-Malerei“ und koordinierte das vielfältige Produzieren in der Werkstatt, kümmerte sich um die Auszubildenden, griff neue Ideen auf und setzte sie um, gelegentlich brachte sich auch Erwin Eisch in die Arbeit ein. Die Malereien zeigen die persönliche Handschrift ihrer UrheberInnen und werden mit deren Initialen signiert. Bei allen individuellen Unterschieden trägt jedoch jedes Glas auch die durchgängige stilistische Grundlinie des unverwechselbaren „Eisch-Stils“, der ständig weiter entwickelt wird.

1973 - Gretel Eisch

1979 - Katharina Eisch

1979 - Maria Wurzer

1979 - Maria Wurzer


Häufig kombinieren die MalerInnen ihre Arbeiten mit sandgestrahlten Flächen oder mit Gravuren. Im Frühjahr 1984 kam eine von Günther Joachimsthaler gemeinsam mit Erwin Eisch entwickelte Linie „Poesie Grafik“ heraus, konturenreiche Gläser mit figürlichen Darstellungen, die mit Hilfe von Sandstrahl- und Ätztechnik, Gravur und Malerei auf farbigem Überfangglas entstanden.

Hier wie für alle anderen Eisch-Produkte ist kennzeichnend, dass die Gläser umso lebendiger sind, je deutlicher in ihnen die ästhetische Spannung zwischen handwerklicher Tradition und kreativem Erfindergeist zum Tragen kommt. 

Die Hochzeit von „Poesie auf Glas“ war etwa von 1985-1995. Damals waren bis zu zwanzig MalerInnen beschäftigt, Ende der 90er waren es nur noch sechs MalerInnen.

1980 - Lucia Probst

1980 - Lucia Probst

1981 - Lucia Probst

1983 - Monika Preitschopf


Für die Ausstellung wurde auch der Film „Kinder malen auf Glas“ von Hans Herrmann (1972) digitalisiert."

Farbtonfilm
von Hans Herrmann, Galerist und Kulturfilmer Drachselsried

Titel:„Kinder malen auf Glas“ ein gläsernes Märchen um die Prinzessin Sissi

Drehzeit: Sommer 1971 Frauenau
Premiere: 1972 Museum Belleriv, Zürich
zur Eröffnung des Weltsymposiums Glas

Entstehung: Auf Anregung und Betreuung durch Gretel Eisch durften Frauenauer Kinder auf verschiedenen und fantasievoll geblasenen Eisch Gläsern nach Belieben malen bzw. Themen aus ihrem Lebensbereich gestalten.

Es war die Zeit der legendären Schauspielerin Romy Schneider und des Films „Sissi“.

Die Kinder machten Sissi zur Hauptfigur der bemalten Gläser und umgaben sie mit ihrer eigenen Welt und Fantasie. Es gab einen Tierpark, ein Dorf, eine Texas – Bar, Glasbläser, Fußball und sogar ein Schloss und eine feine Gesellschaft, denn Sissi wollte schließlich auch in feinsten Kreisen verkehren. Herrlich, wie die Kinder sich aus bestimmten Glasformen genau das auswählten, was zu ihrem jeweiligen Thema passte.

Hans Herrmann ordnete die Vielfalt der Gläser zu Themen und wählte für jeden Teil der kleinen Geschichte eine genau treffende Musik und schnitt dazu den Film. Die Auswahl der Musik wurde mir von Apotheker Hain aus seiner großen Plattensammlung  zur Verfügung gestellt. Musik und Film steigern sich gegenseitig und der Text wurde auf ein Minimum beschränkt und von seiner Schwester Hannerl gesprochen. So wurden die Gläser lebendig, sie erzählen ihre eigene Geschichte. Die Kinder malten sich auch ihre eigenen Plakate zur Ausstellung und bemalten den orangefarbenen VW-Käfer von Erwin und Gretel zur fahrbaren Litfasssäule.

Presse (Frauenau): „Dieser Film hat bis heute nichts von seinem Reiz verloren, im Gegenteil, dieses gläserne Märchen bleibt ewig jung“.

Durch die Digitalisierung des Films entstand ein wichtiges Dokument einer Zeit, auf die wir längst mit einer gewissen Wehmut zurückblicken.

Informationen zum Film: Galerie Hermann, 94256 Drachselsried, Tel. 09945 395

Dieser Film läuft während der Ausstellung in der „Galerie am Museum“, Frauenau

1987 - Eva Eisch

1987 - Gretel Eisch

1987 - Waltraud Lerchl

1987 - Waltraud Lerchl


 

1988 - Jo Hruschka

1992 - Barbara Reißner

1997 - Sonja Ebner