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  Sue Parry - "Artist in Residence" der Glashütte Eisch
 

Passion and Fire

In Sand gegossen





Ausstellungseröffnung: Donnerstag, den 04.06.2009 um 18 Uhr
Dauer der Ausstellung: 05.06.09 – 15.08.09
Ort der Ausstellung: Galerie am Museum, Frauenau
Öffnungszeiten: Montag – Freitag 11-17.30 Uhr, Samstag 11-16 Uhr




 

Leidenschaft und Feuer - Glasskulpturen von Sue Parry

Katalog im PDF-Format

Eine zierliche junge Frau (ausgebildete Geologin/Vulkanologin) arbeitet mit lavaheißem Glas, gießt es zunächst in Sandformen, bearbeitet es mit Feuer und formt es mit den Händen.
Als Gast in der Glashütte Eisch arbeitete sie im Rahmen des „Artist in Residence“ - Projektes vier Wochen in Frauenau. Hier entstanden die Objekte, die, neben ihren aktuellsten Werken aus Ihrem Atelier im englischen Stourbridge, vom 5. Juni bis 15. August 2009 in der Galerie am Museum in Frauenau gezeigt werden. Objekte, die das Feuer der Entstehung und die Leidenschaft (Passion) der Künstlerin ebenso zeigen wie die Farben eines Sonnenaufganges und der Strände der Karibik, wo Sue Parry immer wieder Kraft und Inspiration findet.


  

Frauenau-Freunde kennen Sue Parry bereits: 2007 war Sue Parry eine von 21 regionalen Künstlern vom International Glass Centre, die eingeladen wurden, an einer Ausstellung namens „1000 Glass Miles“ im bayerischen Frauenau teilzunehmen. Vergangenen Sommer waren Sues Arbeiten wieder in einer Folgeausstellung in Frauenau mit dem Titel „Same Difference“ zusammen mit 13 anderen britischen Glaskünstlern und 14 deutschen Künstlern zu sehen.

 

Über sich und ihre Arbeit(en) spricht die Künstlerin so:

Leidenschaft: Eine starke, kaum kontrollierbare Emotion. Starker Enthusiasmus
Feuer: Ein Brennvorgang, der helles Licht und Hitze hervorbringt. Leidenschaft, Temperament und Lebhaftigkeit, Leuchtkraft, Glühen, lebendige Fantasie.

Dies sind nur einige von den vielen Bedeutungen der beiden Wörter Leidenschaft und Feuer, dem Titel meiner ersten Einzelausstellung.

Die Technik, die ich zur Realisierung meiner Skulpturen anwende ist der Sandguss. Es ist eine aufregende, dynamische und unmittelbare Art mit Glas zu arbeiten. In den Sand sind Strukturen eingeprägt, Farben werden über den Sand gesiebt bevor das geschmolzene Glas in die Form fließt und sich langsam zu erkennen gibt, während das Glas allmählich abkühlt. Wenn das Glühen einen matten Orangeton hat, wird die kostbare Form ausgegraben - wie bei einer Ausgrabung antiker archäologischer Relikte - dann modelliere ich mit meinen Händen, indem ich das noch formbare Glas biege und wölbe.

Meine Einflüsse haben ihren Ursprung in den Kräften der Natur, meinem Studium der Geologie, im Besonderen meiner Liebe zu Vulkanen und den faszinierenden Mustern, die durch Erosion entstehen sowie neuerdings dem Einfluss meiner Aufenthalte in der Karibik, der lebhaften Farben und üppigen Wälder dieser Region.

Dieses Projekt kam durch das großzügige Angebot einer Residenz in der Glashütte Eisch zustande, das mir ermöglichte einen Monat lang dort mit vollem Zugang zu allen Einrichtungen und professionellen Arbeitern meine Objekte herzustellen.

Diese Ausstellung, dieser Monat, ist der Höhepunkt einer Leidenschaft, die mich seit meinen ersten zaghaften Schritten hin zur Glasmacherei 2001 gepackt hat. Eine Leidenschaft, die mich dazu gebracht hat, meinen Beruf zu wechseln, mein Haus zu verkaufen und in einen anderen Teil des Landes zu ziehen. Dieser Prozess selbst ist einer des Feuers, der Hitze und des Lichts, der Energie und Fantasie.


 

Sue Parry hat ihr Glasstudio in Stourbridge (West Midlands, England). Ihre in Frauenau hergestellten Glaskunstwerke entstehen durch die Technik des "Sand Casting", eine Methode bei der Sandnegativformen mit flüssigem Glas ausgegossen werden.


      

Sue Parry gießt formbaren Quarzsand auf ein Bett aus trockenem Sand. In die obere Sandschicht „zeichnet“ sie das Negativ ihres Bildes vom Gesamtumriss bis in die Details, wozu sie auch Abdrücke von Gegenständen, Fundstücken oder Natur- und anderer Materialien nutzt. Zum Schluss stäubt Sue farbiges Glaspulver über die gesamte Komposition im Sandbett. Anschließend wird die Negativform vorsichtig mit flüssigem Klarglas gefüllt. Danach formt und dreht die Künstlerin das noch ca. 1000°C heiße Glas mit ihren Händen, natürlich geschützt durch Schutzhandschuhe, und es nimmt eine dynamische Gestalt an. Jede Sandform kann nur einmal benutzt werden. Somit entstehen immer Unikate.


    

Das nach ca. 2 Tagen ausgekühlte Glasrelief kann durch Polieren, Schleifen, Bürsten und andere „kalte“ Techniken abschließend bearbeitet werden. Die Farbeffekte der aufgebrachten Granulate kommen nun im Spiel mit dem Licht voll zur Geltung, es entsteht eine faszinierende Oberfläche mit suggestiver Tiefenwirkung, die einzigartig für das Material Glas ist. Teilweise blickt der Betrachter in das aufgeschnittene Innere eines Objekts und es eröffnet sich ein reiches Spiel aus Lichtbrechungen mit großem sinnlichem Reiz.

Sue Parry entwickelte eine weitere Gusstechnik, bei der sie die Form des Objektes auf eine heiße Stahlplatte mit einer dünn bestreuten Quarzsandschicht setzt. Darauf streut sie wiederum farbigen Glasstaub und arbeitet das Muster in den Sand (die großen Blätter der Bäume sind so entstanden).

Für Sue ist der Akt des Gießens von geschmolzenem Glas direkt aus dem Feuer eine gefühlvolle und leidenschaftliche Erfahrung, die sich durch diesen seltsamen und schwer fassbaren Prozess der Kreativität in das Werk schleicht und direkt vom Betrachter gefühlt werden kann. Indem Sue Parry mit ihrer Technik neue, überraschende Blickwinkel auf den Werkstoff Glas eröffnet und ihm überraschende Facetten entlockt, zeigt sie uns ihre Sicht auf die Welt.

Im Rahmen des „Artist in Residence“-Projektes entstand ein Dokumentarfilm über die Entstehung einiger Objekte von Sue Parry. Dieser Film gibt interessante Einblicke in die Arbeit und die Techniken der Künstlerin sowie in die teilweise notwendige handwerkliche Finisierung durch Mitarbeiter der Frauenauer Glashütte Valentin Eisch. Gäste der Ausstellung haben Gelegenheit, diesen Film anzusehen.